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    Steckengebliebenes ERP-Projekt kundenseitig zurück auf Kurs

    Wie ein Serienfertiger ein zweimal verschobenes ERP-Einführungsprojekt durch kundenseitige Projektsteuerung wieder in Budget und Zeitplan brachte – ohne dass wir selbst eine Zeile implementiert haben.

    Auf einen Blick

    Branche
    Serienfertigung / Maschinenbau
    Unternehmensgröße
    210 Mitarbeitende
    Unsere Rolle
    Kundenseitiges PMO
    Dauer bis Go-Live
    16 Wochen

    Ausgangslage

    Der Serienfertiger hatte sein ERP-System sorgfältig ausgewählt – die Auswahl war nicht das Problem. Das Projekt geriet in der Umsetzung aus dem Ruder: Der Implementierungspartner arbeitete, aber niemand auf Kundenseite steuerte ihn wirklich. Die Statusampel stand monatelang auf Grün, während Budget und Zeitplan längst gekippt waren.

    Verzug
    Go-Live bereits zweimal verschoben, das Projekt lief im 14. statt geplanten 9. Monat
    Budget
    Implementierungsbudget zu 90 % verbraucht, Fertigstellung aber bei geschätzt 60 %
    Scope
    Change Requests des Integrators summierten sich unkontrolliert – niemand prüfte sie gegen den ursprünglichen Anforderungskatalog
    Steuerung
    Projektleitung lag beim IT-Leiter nebenbei zum Tagesgeschäft – keine belastbare Statusübersicht, Ampel stand grün
    Vertrauen
    Geschäftsführung und Integrator im Konflikt, wechselseitige Schuldzuweisungen, keine gemeinsame Faktenbasis

    Warum eine neutrale Steuerung – und nicht ein zweiter Integrator

    • Die Geschäftsführung wollte vor der nächsten Zahlung an den Integrator eine neutrale Einschätzung: Ist das Projekt zu retten – und wenn ja, wie?
    • Wichtig war, dass die Bewertung von jemandem kam, der weder am Integrator verdient noch selbst implementieren wollte – also keinen Anreiz hatte, das Projekt künstlich in die Länge zu ziehen.
    • Wir haben ausdrücklich nicht den Integrator ersetzt, sondern eine Steuerungsinstanz auf Kundenseite eingezogen, die vorher komplett fehlte.

    Vorgehen: 5 Phasen in 22 Wochen

    01Projekt-Check & Standortbestimmung (Woche 1–2)

    • Review von Projektvertrag, ursprünglichem Anforderungskatalog, Change-Request-Historie und offener Rechnungen
    • Interviews mit Fachbereichen, IT und dem Projektteam des Integrators – getrennt, für eine ehrliche Faktenlage
    • Echte Fertigstellungsgrad-Bewertung je Modul statt Selbstauskunft – Ergebnis: 58 % statt gemeldeter 85 %
    • Risiko-Ampel über 6 Dimensionen: Rot bei Scope-Kontrolle, Datenmigration und Abnahmeprozess

    02Governance nachgezogen (Woche 3–5)

    • Lenkungsausschuss eingeführt: zweiwöchentlich, mit GF, IT, Fachbereich und Integrator an einem Tisch
    • Change Requests rückwirkend gegen den Anforderungskatalog geprüft – 40 % waren Bring-Schuld des Integrators, nicht zusätzlich zu bezahlen
    • Entscheidungs- und Risiko-Register eingeführt – erstmals eine gemeinsame, dokumentierte Faktenbasis
    • Neuer, realistischer Meilensteinplan mit harten Abnahmekriterien je Modul

    03Partner-Steuerung & Nachverhandlung (Woche 4–10)

    • Wöchentliche Steuerung des Integrator-Teams gegen Backlog und Abnahmekriterien statt gegen Bauchgefühl
    • Strittige Change Requests neutral bewertet – Nachverhandlung führte zu Gutschrift und klarer Restleistungs-Definition
    • Test- und Migrationskonzept nachgeschärft: strukturierte Testfälle aus den Kernprozessen statt Ad-hoc-Klicktests
    • Scope eingefroren auf die Muss-Anforderungen bis Go-Live, Kann-Anforderungen in eine Phase 2 verschoben

    04Cutover & Go-Live (Woche 11–16)

    • Cutover-Drehbuch mit Verantwortlichkeiten, Zeitfenstern und Rollback-Punkt erstellt und geprobt
    • Datenmigration in zwei Testläufen validiert, bevor die Produktivmigration freigegeben wurde
    • Go-Live über ein verlängertes Wochenende, mit klar definierten Abnahmekriterien für die Freigabe
    • Key-User vorab geschult, Hotline und Eskalationsweg für die erste Woche aufgesetzt

    05Hypercare & Übergabe (Woche 16–22)

    • Vierwöchige Hypercare mit täglichem Stand-up, priorisierter Fehlerliste und klarer Zuordnung Integrator vs. Anwendung
    • Offene Punkte strukturiert abgearbeitet, Restleistungen gegen die Abnahmekriterien final abgenommen
    • Saubere Übergabe der Projektsteuerung an einen internen System-Owner inkl. Dokumentation
    • Phase-2-Backlog (Kann-Anforderungen) an das interne Team übergeben – ohne uns

    Ergebnisse

    16 Wo.
    von Rot zu Go-Live
    das zuvor zweimal verschobene Projekt kam in 16 Wochen produktiv
    ~70.000 €
    vermiedene Mehrkosten
    durch Prüfung strittiger Change Requests und Nachverhandlung
    58 → 100 %
    reale Fertigstellung
    gegen harte Abnahmekriterien statt Selbstauskunft
    0
    eigene Implementierung
    wir haben gesteuert, nicht gebaut – Neutralität blieb intakt

    Qualitative Ergebnisse

    • +Erstmals eine belastbare Statusübersicht – Geschäftsführung und Integrator arbeiteten auf einer gemeinsamen Faktenbasis statt gegeneinander
    • +Change Requests wurden gegen den Anforderungskatalog geprüft, statt ungefiltert bezahlt zu werden
    • +Die Muss-Anforderungen aus der ursprünglichen Auswahl landeten tatsächlich im Produktivsystem
    • +Ein interner System-Owner übernahm nach Hypercare eine dokumentierte, stabile Anwendung
    • +Der Integrator blieb im Boot – die Steuerung war unbequem, aber fair und faktenbasiert