Typische Systemlandschaft in der Logistik
Auftragserfassung, Rechnungsstellung, Kostenrechnung, Controlling
Frachtrechnung, Kostenstellen, OPOS-Liste, Bonusabrechnungen, Jahresabschluss
Dispositionsplanung, Tourenoptimierung, Frachtführer, Sendungsverfolgung
Frachtbrief, Sendungsstatus, POD, CO₂-Reporting, Subunternehmer
Einlagerung, Kommissionierung, Bestandsführung, Inventur
Lagerplatzbewegungen, Pick-by-Voice, Umschlagsteuerung, Scanprozesse
Kundenmanagement, Angebotshistorie, Reklamationen, Vertriebspipeline
Kundenakte, SLA-Tracking, Vertragsverwaltung, Kundenprofitabilität
ERP-TMS-WMS-CRM-Verbindung, EDI-Anbindung, Kundenportale
EDI DESADV/ORDERS, Sendungsstatus-Webhook, Plattformanbindung
Sendungsanalyse, Kundenrentabilität, Lagerauslastung, Margenkontrolle
Kundenprofitabilität, Volumen-Forecast, Retourenquote, KPI-Dashboard
| System | Rolle | Beispiele | Priorität |
|---|---|---|---|
| ERP / Finanzbuchhaltung | Auftragserfassung, Rechnungsstellung, Kostenrechnung, Controlling | Frachtrechnung, Kostenstellen, OPOS-Liste, Bonusabrechnungen, Jahresabschluss | Kernbaustein |
| TMS (Transport Management System) | Dispositionsplanung, Tourenoptimierung, Frachtführer, Sendungsverfolgung | Frachtbrief, Sendungsstatus, POD, CO₂-Reporting, Subunternehmer | Kernbaustein |
| WMS (Warehouse Management System) | Einlagerung, Kommissionierung, Bestandsführung, Inventur | Lagerplatzbewegungen, Pick-by-Voice, Umschlagsteuerung, Scanprozesse | Hoch |
| CRM | Kundenmanagement, Angebotshistorie, Reklamationen, Vertriebspipeline | Kundenakte, SLA-Tracking, Vertragsverwaltung, Kundenprofitabilität | Mittel–Hoch |
| iPaaS / Schnittstellen | ERP-TMS-WMS-CRM-Verbindung, EDI-Anbindung, Kundenportale | EDI DESADV/ORDERS, Sendungsstatus-Webhook, Plattformanbindung | Hoch |
| BI / Reporting | Sendungsanalyse, Kundenrentabilität, Lagerauslastung, Margenkontrolle | Kundenprofitabilität, Volumen-Forecast, Retourenquote, KPI-Dashboard | Mittel |
Häufige ERP-Probleme in Logistik und Spedition
ERP, WMS und TMS kommunizieren nicht
Sendungsdaten stecken im TMS, Lagerinformationen im WMS, Rechnungen im ERP. Statusabfragen erfordern manuelle Abstimmung zwischen drei Systemen – täglich mehrfach, für jeden Auftrag.
Auftragsdaten, Transportdaten und Abrechnung laufen auseinander
Sendungen werden im TMS disponiert, aber die Abrechnung im ERP basiert auf manuell übertragenen Daten. Differenzen entstehen, Rechnungen müssen korrigiert werden, Monatsabschlüsse verzögern sich.
Kundenservice sieht nicht denselben Status wie Disposition
Der Account Manager ruft den Kunden zurück ohne zu wissen, dass die Sendung seit gestern in Verzug ist. Der Disponent weiß es – der Kollege im Service nicht. Kein gemeinsames Systemfenster.
Schnittstellen zu Kunden und Partnern sind historisch gewachsen
Jeder Großkunde hat eine eigene EDI-Anbindung, die über Jahre gewachsen ist. Neue ERP-Versionen brechen regelmäßig Schnittstellen. Wartung bindet IT-Kapazität, die für Weiterentwicklung fehlt.
Reporting ist manuell oder verspätet
Kennzahlen für Sendungsvolumen, Pünktlichkeitsquote und Kundenmarge werden morgens aus drei Exporten zusammenkopiert. Bis der Bericht fertig ist, ist der Informationswert bereits veraltet.
TCO und Migrationsaufwand werden systematisch unterschätzt
Anbieter-Demos zeigen Standardfrachtprozesse. Komplexe Tarifstrukturen, Multi-Depot-Logistik, Gefahrgut-Anforderungen und individuelle Kundenschnittstellen tauchen erst in der Implementierung auf.
Typische Auswahlrisiken in der Logistik
Diese Fehler treiben Implementierungskosten in die Höhe.
ERP ohne TMS-Zertifizierung gewählt
Jedes ERP behauptet "Logistik-Fähigkeit". Ohne zertifizierten TMS-Konnektor (Transporeon, Soloplan, TimoCom) entsteht Individualentwicklung. Kosten: 50.000–150.000 Euro einmalig plus jährliche Wartung bei jedem Release.
Datenmodell zu flach für Logistikkomplexität
Sendung, Sendungsposition, Frachtstück, Tourbuchung, Frachtführer, Tarif und Subunternehmer-Splitting sind komplexe Entitäten. Standard-ERP-Datenmodelle bilden diese nicht nativ ab – Nachentwicklung kostet Monate.
Schnittstellenaufwand zu Kunden wird ignoriert
20 Großkunden, 20 EDI-Formate: DESADV, ORDERS, INVOIC, VDA, EDIFACT. Wer beim ERP-Kauf nur auf den Listenpreis schaut, unterschätzt den Integrationsaufwand um Faktor 3–5.
Branchenspezifische Auswahlkriterien
Auftrags- & Abrechnungsprozesse
- → Tarifverwaltung: Gewicht, Volumen, Zone, Frachtführer-Staffeln
- → Automatische Frachtrechnung auf Basis TMS-Daten
- → Subunternehmer-Abrechnung und Gutschriftverfahren
- → Nachnahme, Avisierung, Nachlieferungskosten abbildbar
WMS- und TMS-Integration
- → Zertifizierter TMS-Konnektor oder natives TMS-Modul
- → Bidirektionaler WMS-Datenaustausch (Einlagerung, Bestand, Kommissionierung)
- → Echtzeit-Sendungsstatus im ERP sichtbar
- → Multi-Depot und Cross-Docking im Datenmodell abgebildet
Kunden- & Partneranbindung
- → EDI-Standards: DESADV, ORDERS, INVOIC, VDA 4913 nativ oder über iPaaS
- → Kundenportal mit Sendungsstatus und Dokumentenzugang
- → API-First-Architektur für Plattformintegration
- → Frachtführer-Portal für Subunternehmer-Kommunikation
Reporting & Skalierung
- → Echtzeit-KPIs: Pünktlichkeitsquote, Sendungsvolumen, Kundenmarge
- → Rollenbasierte Dashboards für Disposition, Vertrieb und Controlling
- → Multi-Mandanten-Fähigkeit für Holding-Strukturen
- → Skalierbarkeit bis 10× Sendungsvolumen ohne Systemwechsel
Typische Projektsituation
Anonymisiertes Szenario – ERP Logistik
Kontext: Regionaler KEP-Dienstleister und Kontraktlogistiker, 180 Mitarbeitende, 4 Lagerstandorte, 35 Großkunden mit EDI-Anbindung.
Ausgangslage: ERP aus 2011, TMS als Insellösung, WMS als drittes separates System. Abrechnung läuft über manuelle Excel-Exporte. 4 FTEs täglich mit Datenpflege beschäftigt. Jahresabschluss dauert 6 Wochen.
Vorgehen: Systemlandschaftsanalyse, Anforderungsworkshop mit Disposition, Controlling, IT und Kundenservice. Bewertung von 4 ERP-Anbietern mit Logistik-Referenzen nach TMS-Zertifizierung, EDI-Tiefe und WMS-Konnektoren. TCO-Vergleich über 5 Jahre.
Ergebnis: Einführung ERP mit zertifiziertem TMS-Konnektor und WMS-Integration. Automatische Frachtabrechnung. Jahresabschluss auf 10 Tage reduziert. EDI-Pflege von 4 FTEs auf 0,5 FTE reduziert.
Ressourcen für die ERP-Auswahl in der Logistik
Software-Auswahlmatrix
ERP, TMS und WMS nach Logistikkriterien bewerten – XLSX mit TMS-Schnittstellen-Checkliste und TCO-Vergleich.
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