ERP Kosten im Mittelstand: TCO, Lizenzmodelle & versteckte Kosten aufdecken

    ERP-Systemklasse: Kosten entstehen entlang der Prozesskette

    ERP als Systemklasse: Warum Kosten hier oft unterschätzt werden

    • ERP betrifft Kernprozesse und Compliance: Order-to-Cash, Procure-to-Pay, Finance, Lager/Logistik – Fehler wirken direkt auf Cashflow und Lieferservice.
    • Kosten sind nicht nur Lizenz: Migration, Integrationen, Betrieb und Change bestimmen den TCO.
    • Der teuerste Zustand ist ein ‘halbes ERP’: Prozesse laufen teils im System, teils in Excel/Insellösungen → doppelte Arbeit.

    Typischer Irrtum: 'Wir vergleichen Preise pro User'

    • Lizenzpreise sind selten vergleichbar, wenn Module/Add-ons und Nutzerklassen unterschiedlich definiert sind.
    • SaaS kann günstig starten, aber über Add-ons, API-Limits oder Support-Level steigen.
    • On-Prem kann günstige Lizenz haben, aber Betrieb/Upgrades und Custom Code sind TCO-Treiber.

    TCO (3–5 Jahre): die Kostenblöcke, die du vollständig betrachten musst

    Eine einfache Faustregel: Wenn ihr nur Lizenzkosten rechnet, unterschätzt ihr ERP-Kosten fast immer. Rechne TCO in Blöcken, und verknüpfe jeden Block mit Annahmen (Scope, Nutzer, Integrationen, Datenqualität).

    1

    Lizenz / Subscription

    User, Module, Add-ons, API-/Transaktionslimits, Environments, Support-Level

    2

    Implementierung

    Prozessdesign, Parametrisierung, Customizing, Tests, Cutover, Dokumentation

    3

    Datenmigration

    Bereinigung, Mapping, Transformation, Imports, Validierung, Delta-Import

    4

    Integrationen

    ERP<>Shop/CRM/PIM/BI/Versand/Payment; Monitoring, Retries, Fehler-Queues

    5

    Betrieb (Run)

    Admin, Rechte, Releases/Upgrades, Monitoring, Backups, Incident-/Change-Prozess

    6

    Change & Enablement

    Schulungskonzept, Rollen, Office Hours, Adoption-Metriken, Prozessdisziplin

    7

    Risiko-/Puffer

    Unerwartete Scope-Änderungen, Datenqualität, Schnittstellenrisiken, Verzögerungen

    TCO-Struktur (vereinfachter Überblick) – typisch im Mittelstand

    KostenblockEinmalig (CapEx/Projekt)Laufend (OpEx/Jahr)Typische Stolperstelle
    Lizenz/Subscription---hoch/planbarAdd-ons, Nutzerklassen, API-/Volumenlimits
    Implementierungmittel--hoch---Scope wächst, Customizing statt Standardisierung
    Datenmigrationmittel---Bereinigung, Mapping, Pflichtfelder, Owner fehlen
    Integrationenmittel--hochmittelMonitoring/Retry/Fehler-Queues, Punkt-zu-Punkt-Scripte
    Betrieb/Administration---mittelRechte, Stammdaten, Support, Releases/Upgrades
    Change/Trainingmittelniedrig--mitteleinmaliges Training, keine Office Hours/Onboarding
    Risiko/Puffer------keine Zeitbox, keine K.O.-Kriterien, keine PoCs

    TCO-Tipp: Rechne nicht nur ‘Best Case’. Lege 2–3 Szenarien an (Base / Realistic / Stress), z.B. mit unterschiedlicher Datenqualität und Integrationskomplexität.

    Lizenzmodelle: so vermeidest du Äpfel-mit-Birnen-Vergleiche

    Lizenzen: Die häufigsten Modelle (und worauf du achten solltest)

    • Named User (pro Person): häufig bei SaaS, gut planbar – aber Achtung bei ‘Power User’ vs ‘Light User’.
    • Concurrent User (gleichzeitig): kann in Schichtbetrieben sinnvoll sein, erfordert aber Nutzungsanalysen.
    • Modulbasiert: Finance, Einkauf, Lager, Produktion, CRM/Service – vergleiche Module nur entlang eurer Use Cases.
    • Transaktions-/Volumenbasiert: Belege, API-Calls, Automationen – wichtig bei Integrationen und EDI.
    • Add-ons/Environments: Sandboxes, Reporting, Workflow/Approval, WMS/MES, EDI – klassische Kostentreiber.

    Lizenz-Fallen (Mittelstand)

    • ‘Benutzer’ ist nicht gleich Benutzer: rollenbasierte Preisstufen machen Vergleich schwierig.
    • API- und Integrationslimits werden spät entdeckt (dann eskalieren Betriebskosten).
    • Test-/Sandbox-Umgebungen kosten extra (aber ohne Tests sind Releases riskant).
    • Support-Level (SLA) wird unterschätzt – besonders bei Monatsabschluss/Peak Season.

    Praxis: Lass dir Angebote immer mit denselben Rollen/Nutzerklassen und denselben Must-Have Use Cases kalkulieren. Sonst ist jeder Preisvergleich wertlos.

    Versteckte Kosten: was in Projekten wirklich eskaliert

    Versteckte Kosten: die Top 10 TCO-Treiber

    • Datenbereinigung (Artikel, Partner, Preislogik) – oft größer als der Import selbst.
    • Integrationen inkl. Monitoring/Retry/Fehlerhandling (Shop, CRM, PIM/MDM, Versand, Payment, BI).
    • Customizing/Extensions: jeder Sonderfall kostet jetzt und bei jedem Upgrade.
    • Reporting/BI: KPI-Definition, Datenmodell, Datenqualität, DWH-Anbindung.
    • Testaufwand (UAT, Regression) – ohne Tests steigen Störungen im Betrieb.
    • Change/Schulung/Adoption: fehlende Disziplin erzeugt Nacharbeit (und ‘ERP wird umgangen’).
    • Betrieb/Administration: Rechte, Stammdatenpflege, Incident-/Change-Prozess.
    • Release-/Upgrade-Management (Cloud häufiger, On-Prem schwerer).
    • Projektverzögerungen durch Scope-Growth, Ressourcenengpässe, Entscheidungsstau.
    • Schatten-IT: parallel weiterlaufende Tools, Excel-Prozesse, doppelte Datenerfassung.

    Was du im Angebot explizit abfragen solltest

    • Welche Add-ons sind für eure Must-Have Use Cases wirklich nötig?
    • Welche Environments sind enthalten (Dev/Test/Prod)? Wie laufen Releases/Regression?
    • Welche Integrationswege gibt es (API, EDI, Files) und wie wird Fehlerhandling gelöst?
    • Welche Datenmigrationstools/Services sind enthalten? Wer verantwortet Datenqualität?

    Kostenhebel: so senkst du TCO ohne Qualität zu verlieren

    Kostenhebel, die sofort wirken

    • Scope in Releases schneiden: erst Kernprozesse, dann Erweiterungen (reduziert Verzögerungen).
    • Standardisieren, bevor du customizest: jede Abweichung zahlt sich doppelt aus (Build + Upgrade).
    • Master-Daten-Regeln definieren (wer ist Quelle wofür?) – reduziert Dubletten und Sync-Konflikte.
    • Integrationen über iPaaS und mit Monitoring: weniger Betriebskosten als Punkt-zu-Punkt.
    • Schulung als Programm: Rollen, Übungen, Office Hours, Adoption-KPIs.

    Kostenhebel, die oft vergessen werden

    • Teststrategie (UAT + Regression) fest einplanen – reduziert Störungen im Run.
    • Betriebskonzept definieren: Rollen, Changes, Support, Releasefenster, Verantwortlichkeiten.
    • Datenowner benennen: Qualität ist kein einmaliges Projekt, sondern Betrieb.
    • PoCs nur für echte Risiken (Integration, Rechte, Preislogik) – verhindert spätere Überraschungen.

    FAQ: ERP Kosten im Mittelstand