IT-Strategie für den Mittelstand: Von der Bestandsaufnahme zur Roadmap

    Die meisten mittelständischen Unternehmen haben Systeme, aber keine Strategie. Dieser Ratgeber zeigt, wie ihr in 4 Schritten eine IT-Strategie entwickelt, die tatsächlich gelebt wird.

    IT-Strategie ist kein IT-Thema

    Eine IT-Strategie beantwortet die Frage: Welche Technologien und Systeme brauchen wir, um unsere Geschäftsziele zu erreichen?Sie beginnt nicht mit Technologie, sondern mit dem Business – und sie endet nicht mit einem Dokument, sondern mit klaren Entscheidungen und einer lebenden Roadmap.

    4 Bausteine einer praxistauglichen IT-Strategie

    1. Standortbestimmung: Wo steht ihr wirklich?

    Bevor ihr investiert, braucht ihr Klarheit: Was funktioniert, was nicht, und wo sind die größten Hebel? Eine ehrliche Bestandsaufnahme spart später Fehlentscheidungen.

    Konkrete Schritte
    • Systemlandschaft visualisieren (Was haben wir? Was kann es? Wer nutzt es?)
    • Prozessreife bewerten: Wo arbeiten wir digital, wo noch manuell?
    • Schmerzpunkte identifizieren: Was kostet uns heute am meisten Zeit/Geld/Nerven?
    • Datenqualität einschätzen: Haben wir saubere Stammdaten oder Chaos?
    Antipatterns
    • Systemlandschaft existiert nur in den Köpfen einzelner Personen
    • Bestandsaufnahme auf Basis von Wunschdenken statt Realität

    2. Zielbilder definieren: Wo wollt ihr hin?

    IT-Strategie funktioniert nur, wenn sie aus der Unternehmensstrategie abgeleitet wird. Nicht andersherum. Die Frage ist: Was muss die IT können, damit das Unternehmen seine Ziele erreicht?

    Konkrete Schritte
    • Geschäftsziele in IT-Anforderungen übersetzen (Wachstum, neue Märkte, Effizienz, Compliance)
    • Zielbild Systemlandschaft skizzieren (SOLL-Architektur auf 3–5 Jahre)
    • Entscheidungskriterien festlegen: Make vs. Buy, Cloud vs. On-Premise, Best-of-Breed vs. Suite
    • Priorisierung: Was hat den größten Impact bei vertretbarem Aufwand?
    Antipatterns
    • IT-Strategie als Technologie-Wunschliste ohne Business-Bezug
    • Zielbild, das niemand im Unternehmen kennt oder mitträgt

    3. Roadmap: In welcher Reihenfolge?

    Nicht alles auf einmal. Eine Roadmap definiert, welche Projekte in welcher Reihenfolge angegangen werden – basierend auf Abhängigkeiten, Ressourcen und Business Impact.

    Konkrete Schritte
    • Abhängigkeiten zwischen Systemen und Projekten kartieren
    • Quick Wins identifizieren (hoher Nutzen, niedriger Aufwand)
    • Kapazitätsplanung: Was kann die Organisation parallel verdauen?
    • Meilensteine definieren, die für Fachbereiche verständlich sind (nicht nur IT-Jargon)
    Antipatterns
    • 5-Jahres-Plan, der nach 6 Monaten Makulatur ist
    • Alles gleichzeitig starten ('Wir machen ERP, CRM und PIM parallel')

    4. Governance: Wer entscheidet was?

    Ohne klare Entscheidungsstrukturen wird jedes IT-Projekt zur Endlos-Diskussion. Governance definiert, wer entscheidet, wie priorisiert wird und wer den Hut aufhat.

    Konkrete Schritte
    • IT-Steering-Committee einrichten (Geschäftsführung + IT + Fachbereich)
    • Entscheidungsmatrix: Wer entscheidet bei Systemauswahl, Budget, Architektur?
    • Priorisierungsframework: Wie werden konkurrierende Projekte bewertet?
    • Review-Rhythmus: Quartalsweise Überprüfung der Roadmap und Budgets
    Antipatterns
    • IT entscheidet allein ('wir wissen, was gut ist')
    • Jede Abteilung kauft ihre eigene Software (Shadow IT)

    Reifegrad-Modell: Wo steht euer Unternehmen?

    Nicht jedes Unternehmen startet bei Null. Findet euren aktuellen Stand und setzt den Fokus richtig.

    Stufe 1: Reaktiv

    IT ist Feuerwehr. Es wird repariert, was kaputt geht. Kein Gesamtbild, keine Strategie, Excel dominiert.

    Fokus: Überblick schaffen, Schmerzpunkte priorisieren, erste Systemlandschaft dokumentieren.

    Stufe 2: Grundlagen

    Kernsysteme sind da (ERP, ggf. CRM), aber schlecht integriert. Daten fließen manuell, Prozesse sind teils digitalisiert.

    Fokus: Integrationen aufbauen (iPaaS), Datenqualität verbessern, Prozesse standardisieren.

    Stufe 3: Vernetzt

    Systeme sind integriert, Daten fließen automatisiert. Es gibt ein Stammdatenkonzept und klare Verantwortlichkeiten.

    Fokus: Automatisierung ausbauen, Analytics und Reporting nutzen, Skalierung vorbereiten.

    Stufe 4: Strategisch

    IT ist Business-Partner. Investitionen werden anhand von ROI bewertet, es gibt eine lebende Roadmap und ein Governance-Framework.

    Fokus: Innovation (AI, Predictive), Plattform-Strategie, Wettbewerbsvorteile durch Technologie.

    Häufige Fragen

    IT-Strategie gemeinsam entwickeln

    Ich begleite Mittelständler von der Standortbestimmung bis zur priorisierten Roadmap – pragmatisch, anbieterunabhängig und umsetzungsorientiert.

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