Vendor Lock-in vermeiden: So bleibt ihr bei der Software-Auswahl unabhängig

    Jede Software-Entscheidung schafft Abhängigkeiten. Die Frage ist nicht ob, sondern wie bewusst – und wie reversibel. Dieser Ratgeber hilft, die richtigen Fragen zu stellen.

    3 Dimensionen von Vendor Lock-in

    Technischer Lock-in

    Proprietäre Formate, geschlossene APIs, herstellerspezifische Programmiersprachen oder Plattform-Runtime – all das bindet euch technisch an einen Anbieter.

    Beispiele
    • Daten liegen in proprietärem Format ohne Standard-Export
    • Workflows/Automatisierungen nur innerhalb des Ökosystems nutzbar
    • Keine offenen APIs oder nur eingeschränkter API-Zugang
    • Herstellerspezifische Skriptsprache statt Standard (JavaScript, Python, SQL)
    Gegenmaßnahmen
    • Offene Standards bei der Auswahl priorisieren (REST, GraphQL, JSON, CSV)
    • Datenexport-Möglichkeiten vertraglich festhalten (Format, Vollständigkeit, Frequenz)
    • API-Dokumentation vor Vertragsschluss prüfen (nicht nur 'vorhanden', sondern vollständig)

    Kommerzieller Lock-in

    Langfristige Verträge, steigende Lizenzkosten, migrationshemmende Preismodelle – hier wird die Abhängigkeit über den Geldbeutel erzeugt.

    Beispiele
    • Mehrjahresverträge mit automatischer Verlängerung und hohen Ausstiegshürden
    • Preiserhöhungen ohne Leistungssteigerung ('Inflation Adjustment')
    • Kosten für Datenexport oder API-Zugang bei Kündigung
    • Rabatte nur bei Commitment auf weitere Jahre/Module
    Gegenmaßnahmen
    • Vertragslaufzeiten auf maximal 1–2 Jahre begrenzen
    • Exit-Klauseln verhandeln: Kosten, Datenherausgabe, Übergangszeitraum
    • Preiseskalationsklauseln deckeln (z.B. max. 5% p.a.)
    • Total Cost of Ownership vor Vertragsschluss realistisch rechnen

    Operativer Lock-in

    Eure Prozesse, Schulungen und Organisationsstruktur sind um ein bestimmtes System herum aufgebaut. Ein Wechsel würde massive Disruption bedeuten.

    Beispiele
    • Alle Mitarbeitenden sind auf ein bestimmtes UI trainiert
    • Prozessketten sind auf die Logik des Systems zugeschnitten
    • Integrationen mit anderen Systemen laufen über herstellerspezifische Konnektoren
    • Reporting und BI-Layer sind direkt an die Datenstruktur gekoppelt
    Gegenmaßnahmen
    • Prozesse tool-agnostisch dokumentieren (BPMN, nicht 'Klick-Anleitung')
    • Integrationsschicht (iPaaS / Middleware) zwischen Systemen einsetzen
    • Stammdatenmodell unabhängig vom System definieren (MDM-Ansatz)
    • Schulungen auf Prozessverständnis aufbauen, nicht nur auf Klickpfade

    Lock-in-Check: Bewertungsmatrix

    Nutzt diese Kriterien, um Anbieter in Bezug auf Lock-in-Risiko einzuordnen.

    KriteriumNiedriges RisikoHohes Risiko
    Datenexport (vollständig, maschinenlesbar)Jederzeit, vollständig, Standard-FormateNur auf Anfrage, nur Teilexporte, proprietär
    API-ZugangOffene, dokumentierte REST/GraphQL-API inklusiveAPI als kostenpflichtiges Add-on oder undokumentiert
    Vertragslaufzeit & ExitMonatlich/jährlich kündbar, klare Exit-TermsMehrjährig, automatische Verlängerung, Exit-Gebühren
    Datenformat & ModellStandards (JSON, XML, CSV, EDIFACT), offenes DatenmodellProprietäres Binärformat, kein Schema dokumentiert
    IntegrationsfähigkeitStandard-Konnektoren, Webhook-Support, iPaaS-kompatibelNur herstellereigene Konnektoren, kein Webhook-Support
    Migrationshilfe bei WechselUnterstützung bei Datenübernahme, DokumentationKeine Kooperation, Erschwerung des Wechsels

    Häufige Fragen

    Anbieterunabhängig entscheiden

    Ich unterstütze bei der Bewertung von Lock-in-Risiken, Vertragsverhandlung und der Architektur einer herstellerunabhängigen Systemlandschaft.

    Erstberatung anfragen