ERP-Systemklasse: warum Hosting nicht die Hauptarbeit ist
ERP als Systemklasse: Worum es bei der Entscheidung wirklich geht
- ERP ist Backoffice-Kern: Order-to-Cash, Procure-to-Pay, Finance, Lager/Logistik, ggf. Produktion.
- Cloud vs On-Prem ist primär eine Betriebs- und Governance-Entscheidung – nicht nur eine Lizenzfrage.
- Die größten Risiken liegen oft in Datenmigration, Prozessdesign, Integrationen und Change Management.
Merksatz: Egal ob Cloud oder On-Prem: Die schwierigsten Teile sind Prozessdesign, Datenmigration und Integration. Hosting entscheidet vor allem, wer Betrieb und Risiko trägt.
Pro/Contra-Matrix: Cloud vs On-Premise ERP
Die Matrix ist bewusst ‘typisch’ formuliert. Konkrete Anbieter unterscheiden sich, aber die Logik bleibt: Cloud reduziert Ops, On-Prem erhöht Kontrolle – und beide haben versteckte Kostentreiber.
Cloud vs On-Premise ERP – Pro/Contra Überblick
| Thema | Cloud ERP (typisch) | On-Prem ERP (typisch) |
|---|---|---|
| Time-to-Value | schneller Start, weniger Infrastruktur | Setup dauert, mehr Vorarbeit |
| Betrieb (Patches/Backups) | geringer interner Ops-Aufwand | voller Ops-Aufwand bei euch/Partner |
| Skalierung/Updates | regelmäßige Releases, Skalierung oft einfacher | Updates planbar, aber aufwendig |
| Customizing | stärker durch Plattformgrenzen limitiert | mehr Freiheitsgrade (aber Wartungskosten) |
| Security-Verantwortung | geteilt (Shared Responsibility) | größtenteils bei euch |
| Datenresidenz/Netzwerk | abhängig vom Anbieter/Regionen | maximale Kontrolle (wenn richtig betrieben) |
| TCO-Treiber | Subskription + Add-ons + Integration + Change | Hardware/Hosting + Betrieb + Upgrades + Custom Code |
| Risiko im Run | Vendor-Releases müssen gemanagt werden | Risiko durch ausbleibende Patches/Skills |
Hinweis: ‘Cloud’ ist nicht automatisch ‘weniger sicher’ und ‘On-Prem’ nicht automatisch ‘sicher’. Sicherheit entsteht aus Verantwortlichkeiten, Patching, Zugriffen und Monitoring.
Entscheidungsbaum: Welche Richtung passt zu euch?
Frage 1 von 3
Habt ihr harte Vorgaben für Datenresidenz / Private Network / Offline-Betrieb?
Wann Cloud ERP meist die bessere Wahl ist
Cloud gewinnt oft, wenn ...
- ihr schnell produktiv werden müsst (Rollout-Geschwindigkeit ist Business-KPI).
- ihr wenig Kapazität für IT-Betrieb habt oder nicht betreiben wollt.
- Standardprozesse ausreichen oder bewusst standardisiert werden sollen.
- ihr international skaliert (Standorte, Remote, schnelle Provisionierung).
Cloud-Fallen (die man im Angebot oft übersieht)
- Add-ons: Reporting, Sandboxes, API-Limits, Benutzerklassen, Module (z.B. WMS/MES).
- Release-Management: häufiger Change-Impact auf Prozesse/Integrationen.
- Datenexport/Integration: wenn nicht sauber geplant, entstehen Schatten-Schnittstellen.
Wann On-Premise (oder Private Cloud) sinnvoll sein kann
On-Prem (oder Private Cloud) gewinnt oft, wenn ...
- harte Anforderungen an Netzwerkwege/Offline-Fähigkeit/Private Connectivity bestehen.
- Legacy-Integration oder spezielles Customizing zwingend ist (und SaaS nicht erlaubt).
- ihr Updates strikt kontrollieren müsst (z.B. stark regulierte Umgebungen).
- ihr ein belastbares Ops-/Security-Setup habt (oder einen starken Betriebspartner).
On-Prem-Fallen (klassisch)
- Patching/Upgrades werden verschoben → Security- und Betriebsrisiko steigt.
- Custom Code wächst unkontrolliert → Upgrade wird zum Großprojekt.
- ‘Wir hosten selbst’ wird mit ‘wir haben Governance’ verwechselt (Rechte, Audit, Prozesse fehlen).
Praxis: ‘On-Prem wegen Kontrolle’ ist nur dann ein Vorteil, wenn ihr Updates, Backups, Zugriffskontrollen und Monitoring auch wirklich konsequent betreibt.
TCO-Hebel: so wird die Entscheidung wirtschaftlich belastbar
TCO-Hebel, die in beiden Welten entscheidend sind
- Prozessstandardisierung reduziert Customizing und spätere Upgrade-Kosten.
- Datenqualität/Migration: Dubletten, Pflichtfelder, Mapping – spart Monate Nacharbeit.
- Integrationsstrategie: iPaaS statt Punkt-zu-Punkt, Monitoring/Reprocessing, klare Master-Daten-Regeln.
- Change/Training: Adoption bestimmt Produktivität – nicht die Feature-Liste.
Praxis-Empfehlung für Mittelstand/KMU
- Cloud als Default annehmen – und On-Prem/Hybrid nur wählen, wenn Constraints das wirklich erfordern.
- Wenn On-Prem: Betrieb als Produkt verstehen (Patch-Zyklen, Monitoring, Backups, Restore-Tests, Verantwortlichkeiten).
- Wenn Cloud: Release-Management + Integration-Governance früh aufsetzen (sonst brennt es im Betrieb).