MDM verstehen: bevor du Anbieter vergleichst
MDM als Systemklasse: Wofür du es wirklich brauchst
- MDM (Master Data Management) ist die Governance-Schicht für Stammdaten: Golden Record, Dublettenlogik (Match/Merge), Workflows und Audit.
- MDM wird relevant, wenn mehrere Quellsysteme existieren (z.B. CRM + ERP + Shop + Data Warehouse) oder wenn Datenqualität/Compliance kritisch ist.
- Ein MDM-Projekt gewinnt nicht durch Feature-Listen, sondern durch saubere Ownership-Regeln (Quelle je Feld) und Stewardship-Prozesse.
Wie du diesen Vergleich liest (vendor-neutral)
- Bewertungsmatrix ist ein Orientierungsrahmen, keine Kaufempfehlung. Entscheidend sind eure Domänen, Integrationen und euer Operating Model.
- Die größten Unterschiede liegen typischerweise in: Deployments (SaaS/On-Prem), SAP-Nähe, Multi-Domain-Fähigkeit, Match/Merge-Reife, Integrationsökosystem und TCO.
- Nutze die Matrix, um deine Shortlist zu bauen – und validiere Risikopunkte mit Demo-Skripten oder PoCs (z.B. Dubletten, Rechte, Schnittstellen).
Auswahlkriterien & K.O.-Checks
Auswahlkriterien (die wirklich zählen)
- Domänenfit: Kunde/Lieferant/Standort/Material/Artikel – Multi-Domain oder fokusiert?
- Identitätsmanagement: Match/Merge, Survivorship-Regeln, Golden Record, Data Lineage.
- Workflows & Stewardship: Freigaben, Reason Codes, Audit, Backlog-Prozesse.
- Integration: APIs, Konnektoren, Eventing, Fehlerhandling (Retry/Queue) – iPaaS-Fit.
- Betrieb & Sicherheit: Rollen/Rechte, Logging, DSGVO-Prozesse (Auskunft/Löschung) in der Landschaft.
- TCO: Lizenzmodell + Implementierung + Betrieb + Upgrades/Release-Zyklen + Skills am Markt.
K.O.-Kriterien (schnell klären)
- Muss es On-Prem sein (z.B. Regulatorik/Hosting-Vorgaben) oder ist SaaS möglich?
- Muss es eng in SAP-Prozesse integriert sein (SAP-first), oder ist die Landschaft heterogen?
- Wie kritisch sind Dubletten/Merge-Logik und Data Lineage (Audit)?
- Welche Domänen sind wirklich im Scope (nur Kunde/Partner vs Multi-Domain inkl. Material/Standort)?
Bewertungsmatrix (Orientierung)
Bewertungswerte (1–5) sind als Orientierung gedacht, um eine Shortlist zu strukturieren. Entscheidend ist euer konkreter Scope, eure Datenqualität und euer Operating Model (Owner/Stewards/Prozesse).
| Kriterium | Gewicht | Stibo STEP | Informatica MDM | SAP MDG | Reltio | Profisee |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Multi-Domain & Modellierung | 15% | 4 | 5 | 4 | 4 | 4 |
| Match/Merge & Golden Record | 20% | 4 | 5 | 3 | 4 | 4 |
| Workflows & Stewardship | 15% | 4 | 4 | 4 | 4 | 3 |
| Integration & Ökosystem | 15% | 4 | 5 | 4 | 4 | 4 |
| Deployment & Skalierung | 10% | 4 | 4 | 3 | 5 | 4 |
| SAP-Nähe / ERP-Alignment | 10% | 3 | 4 | 5 | 3 | 3 |
| TCO/Komplexität (Mittelstand) | 15% | 3 | 3 | 3 | 4 | 4 |
So nutzt du den Vergleich für eine belastbare Entscheidung
So machst du aus der Matrix eine Shortlist
- Setze Gewichte anhand eurer Schäden (Dubletten, falsche Rechnungen, Reporting-Konflikte) und eurer Landschaft (SAP/Non-SAP).
- Definiere 5–8 Demo-Szenarien (z.B. Dublettenerkennung Kunde, Merge + Audit, Freigabe kritischer Felder, API-Integration).
- Plane PoCs nur für echte Risiken: Matching-Qualität, Rechte/Audit, Integrationen, Datenmodellkomplexität.
- Bewerte nicht nur ‘Produkt’, sondern auch Implementierungs- und Betriebsfähigkeit (Skills/Partner/Operating Model).
Anbieter im Überblick (vendor-neutral)
Stibo STEP
Stark bei Governance-nahem Stammdatenmanagement und modellierbaren Domänen (häufig auch produktnah genutzt).
Geeignet für
- Organisationen mit Fokus auf Governance, Datenmodelle und Workflows über mehrere Domänen
- Wenn MDM und ‘produktnahe’ Domänen/Attribute sauber strukturiert werden müssen
- Wenn du einen robusten Ansatz für Stewardship und Prozessdisziplin willst
Achte auf
- TCO hängt stark von Scope und Integrationen ab – früh klären, welche Systeme Master sind
- Match/Merge-Qualität und Regeln unbedingt mit realistischen Daten testen
- Partner-/Implementierungsmodell prüfen (Skills/Verfügbarkeit)
Informatica MDM
Enterprise-MDM mit starker Datenintegrations- und DQ-Historie; häufig in komplexen Landschaften.
Geeignet für
- Komplexe Multi-System-Landschaften mit hoher Integrationsdichte
- Hohe Anforderungen an Match/Merge, Data Lineage und DQ-Frameworks
- Unternehmen mit etabliertem Daten- und Integrations-Stack
Achte auf
- Komplexität kann hoch sein – Governance und Betrieb sauber planen
- Lizenz-/Modellvarianten früh transparent machen (Module/Environments)
- Für Mittelstand: Scope sehr strikt schneiden, sonst wird es 'zu groß'
SAP MDG
SAP-zentriertes Stammdaten-Governance-Framework – besonders stark, wenn SAP der Kern ist.
Geeignet für
- SAP-first Landschaft (S/4, ECC, SAP-Ökosystem) mit Governance-Fokus
- Starke Prozess-/Freigabelogik für SAP-Stammdaten (Material, Kunde, Lieferant)
- Wenn SAP Data Model/Prozesse maßgeblich sind und bleiben sollen
Achte auf
- In heterogenen Landschaften Integrations- und Harmonisierungskonzept sauber planen
- Match/Merge und Golden-Record-Anspruch prüfen (was ist Master, was ist Referenz?)
- Skills am Markt vorhanden, aber Customizing und Prozessdesign sind TCO-Treiber
Reltio
Cloud-native MDM-Ansatz; interessant, wenn SaaS, Skalierung und schnelle Integration zählen.
Geeignet für
- Cloud-first Unternehmen mit Fokus auf Skalierung und Time-to-Value
- Wenn schnelle Integrationen und API-first-Ansatz wichtig sind
- Wenn du Multi-Domain brauchst, aber ohne schwere On-Prem-Betriebsmodelle
Achte auf
- SaaS-Vorgaben, Data Residency und Security/Compliance früh klären
- Kostenmodelle entlang Usage/Volumen verstehen (TCO über 3–5 Jahre)
- Betrieb: Monitoring/Integrationsdisziplin bleibt Pflicht (auch bei SaaS)
Profisee
MDM-fokussiert, oft attraktiv in Microsoft-/Data-Platform-Kontexten und für pragmatische Governance-Setups.
Geeignet für
- Microsoft-Ökosystem (Data Platform/BI) und Bedarf an MDM-Governance
- Mittelstand, der ein schlankeres Operating Model braucht (Scope diszipliniert)
- Wenn schnelle DQ-Erfolge durch klare Regeln/Workflows erzielt werden sollen
Achte auf
- Multi-Domain/Complexity sauber abgleichen (Scope/Modellierung)
- Matching-Qualität mit echten Daten testen, bevor du skalierst
- Integration und Monitoring klar designen (Ownership je Feld/Objekt)
Entscheidungshilfe: welche Shortlist ist plausibel?
Schnelle Orientierung (ohne Vendor-Bias)
- SAP-first? → SAP MDG früh prüfen (v.a. Governance für SAP-Stammdaten).
- Sehr komplexe Multi-Domain + hohe DQ/Lineage-Anforderungen? → Informatica MDM häufig in der Shortlist.
- Cloud-first + Skalierung/Time-to-Value? → Reltio als SaaS-Option validieren.
- Pragmatischer Mittelstand, Microsoft-nahe Data-Plattform? → Profisee oft sinnvoll zu evaluieren.
- Governance-nahe Domänenmodellierung + Prozessdisziplin? → Stibo STEP in die engere Auswahl nehmen.
Was du vor der Toolwahl klären musst
- Welche Domänen sind wirklich in Phase 1? (z.B. Kunde+Lieferant, nicht ‘alles’)
- Welche Felder sind Master in welchem System? (Ownership-Regeln)
- Welche Prozesse brauchen Freigabe/Audit? (DSGVO/Compliance/Finance)
- Welche Integrationswege betreibt ihr langfristig? (API, Eventing, iPaaS)
Konkreter nächster Schritt: Schreibe eure Top-10 Datenprobleme (Schäden) auf, ordne sie 1–2 Domänen zu und definiere 5–8 Demo-Szenarien. Damit wird Toolauswahl deutlich objektiver.
FAQ: Stammdatenmanagement Software Vergleich
Erstberatung: MDM-Shortlist & Bewertungslogik (vendor-neutral)
Ich unterstütze systemunabhängig bei Domänen-/Scope-Schnitt, Ownership-Regeln (Quelle je Feld), Demo-Skripten, PoC-Design (Matching, Audit, Integration), TCO-Annäherung (3–5 Jahre) und einem pragmatischen Einführungsplan (Stewardship/Run).