10 Fehler bei der ERP Auswahl – und wie du sie vermeidest

    Dieses Listicle ist bewusst shareable: klare Aussagen, typische Muster, konkrete Gegenmaßnahmen. Wenn du nur eine Sache mitnimmst: ERP Auswahl ist Prozess- und Betriebsdesign – nicht Feature-Shopping.

    Die 10 häufigsten Fehler bei der ERP Auswahl

    Jeder Punkt folgt derselben Logik: Warum passiert es?Woran erkennst du es?Wie verhinderst du es?

    #1

    Zu großer Scope: 'Wir machen alles auf einmal'

    Warum kritisch: Wenn jede Abteilung alles gleichzeitig will, explodieren Zeitplan, Tests und Change-Aufwand.

    Praxisbeispiel

    Typisch: Mehrere Standorte, Finance, Lager, Produktion, CRM-Extras – alles im ersten Go-Live. Ergebnis: 9 Monate später ist noch keine Kernkette stabil.

    Warnsignale

    • Anforderungen-Liste wächst täglich
    • Kein MVP, nur 'vollständig'
    • Entscheidungen werden verschoben (‘später klären’)

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • MVP definieren (3–5 Kernprozesse, 1–2 Standorte) und Roadmap v2/v3
    • Scope-Change-Prozess mit Impact (Zeit/Kosten/Risiko)
    • Fit-to-Standard als Default, Customizing begrenzen
    #2

    Feature-Shopping statt Use-Case-Auswahl

    Warum kritisch: Features klingen gut, aber entscheiden nicht, ob eure Prozesse im Alltag funktionieren.

    Praxisbeispiel

    Ein Anbieter gewinnt wegen ‘100 Features’. Im Go-Live zeigt sich: eure 10 Kernfälle (Retouren, Teillieferungen, Sammelrechnung) sind nicht sauber getestet.

    Warnsignale

    • Anforderungskatalog ist eine Feature-Liste
    • Keine Demo-Skripte mit echten Szenarien
    • Bewertung basiert auf 'Gefühl'

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • Use-Case Backlog (10–20 Fälle) mit Akzeptanzkriterien
    • Demo-Skripte + echte Beispieldaten (nicht Anbieter-Demo)
    • Gewichtung nach Business-Impact (nicht Feature-Fairness)
    #3

    ‘Wir passen das ERP an uns an’ (Customizing-Spirale)

    Warum kritisch: Customizing ist oft der größte TCO-Treiber – und bindet euch langfristig an Partner/Release-Zyklen.

    Praxisbeispiel

    Eine Sonderlogik wird ‘schnell gebaut’. Nach einem Jahr existieren 40 Sonderfälle – Updates werden riskant, jedes Problem wird ein Projekt.

    Warnsignale

    • ‘Das machen wir dann custom’ ist Standardsatz
    • Gaps werden nicht priorisiert
    • Keine klare No-Go-Liste

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • Fit-to-Standard Workshops: Prozesse so anpassen, dass Standard funktioniert
    • Gaps klassifizieren (Must/Should/Could) + harte No-Gos
    • Sonderlogiken in Downstream-Systeme auslagern (wo sinnvoll)
    #4

    Datenmigration zu spät (oder ohne Ownership)

    Warum kritisch: ERP-Projekte sterben nicht an Modulen, sondern an Daten: Dubletten, fehlende Pflichtfelder, falsche Stammsätze.

    Praxisbeispiel

    Zwei Wochen vor Go-Live beginnt die Bereinigung. Ergebnis: Cutover verschoben, Hypercare überlastet, Vertrauen weg.

    Warnsignale

    • Kein Data Owner je Objekt (Kunde, Artikel, Lieferant)
    • Mapping existiert nur als 'IT-Liste'
    • Kein Probelauf (v1/v2/v3)

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • Data Ownership festlegen + Datenqualität messen
    • Migration iterativ (v1/v2/v3) inkl. Validierungsregeln
    • Cutover-Runbook früh planen (Freeze, Delta, Smoke Tests)
    #5

    Integrationen werden als ‘Schnittstelle’ unterschätzt

    Warum kritisch: Eine Schnittstelle ist nicht nur API – sie braucht Betrieb: Monitoring, Reprocessing, Ownership.

    Praxisbeispiel

    Shop-Bestellungen hängen, weil ein Feld falsch gemappt ist. Ohne Monitoring merkt es niemand – bis Kunden anrufen.

    Warnsignale

    • Kein Monitoring/Alerting geplant
    • Punkt-zu-Punkt Integrationen ohne Standards
    • ‘Fehlerfälle’ sind nicht getestet

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • Integration als Produkt: Logging, Alerts, Dead-letter, Reprocessing
    • iPaaS/Automatisierung für Wiederverwendung und Betriebssicherheit
    • Fehlerfall-Tests als Pflicht im UAT (nicht optional)
    #6

    Demos ohne Vergleichbarkeit (Anbieter steuert die Show)

    Warum kritisch: Wenn Anbieter frei präsentieren, gewinnt der beste Sales-Prozess – nicht das beste System für euch.

    Praxisbeispiel

    Ein Anbieter zeigt perfekte Standardprozesse, aber nicht eure Sonderfälle. Der andere wird ‘bestraft’, weil er ehrlich über Grenzen spricht.

    Warnsignale

    • Keine Demo-Agenda pro Use Case
    • Keine Bewertungsmatrix
    • Wichtige Rollen (Finance/Lager) nicht in Demos

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • Demo-Skripte aus euren Prozessen + gleiche Zeitbox für alle
    • Bewertungsmatrix (1–5) + Gewichtung + dokumentierte Trade-offs
    • ‘No-Go’ Fragen fix einbauen (Berechtigungen, Audit, Reporting, Integrationen)
    #7

    Das Projekt ist ‘IT’ – Fachbereich ist nur Zuschauer

    Warum kritisch: ERP ist Prozessveränderung. Ohne Fachbereich-Ownership gibt es keine Adoption – egal wie gut das Tool ist.

    Praxisbeispiel

    Key User werden nebenbei eingeplant. Im UAT fehlen Entscheidungen, im Go-Live fühlt sich niemand verantwortlich.

    Warnsignale

    • Key User haben keine Kapazität geblockt
    • Steering Committee trifft selten Entscheidungen
    • Training wird als ‘nice to have’ behandelt

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • Rollen & Kapazitäten verbindlich (PO/Key User/Data Owner)
    • Entscheidungstermine einplanen (nicht ‘ad hoc’)
    • Change Management: Kommunikation, Trainings, Super-User Netzwerk
    #8

    Kostenfokus nur auf Lizenz – TCO wird ignoriert

    Warum kritisch: Lizenz ist selten der größte Block. Betrieb, Integrationen, Customizing und Weiterentwicklung dominieren 3–5 Jahre.

    Praxisbeispiel

    Günstige Lizenz gewinnt. Danach: hohe Partnerkosten, teure Integrationen, Update-Probleme – TCO kippt.

    Warnsignale

    • Kein 3–5 Jahres-TCO
    • Betrieb/Support nicht durchgerechnet
    • Kein Plan für Releases und Weiterentwicklung

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • TCO-Rechnung: Lizenz + Implementierung + Betrieb + Integrationen + Wachstum
    • Sensitivität: Standorte, Nutzer, Volumen, neue Prozesse
    • Betriebsmodell als Teil der Entscheidung
    #9

    Reporting/Controlling kommt ‘später’ – und wird dann teuer

    Warum kritisch: Wenn Datenmodell und Buchungslogik stehen, wird BI/Reporting sonst zu Reparaturarbeit.

    Praxisbeispiel

    Nach Go-Live stellt Finance fest, dass Auswertungen fehlen oder Zahlen anders interpretiert werden. Workarounds entstehen.

    Warnsignale

    • Finance-Anforderungen sind unklar
    • Keine Definition von KPIs/Dimensionen
    • Testfälle decken Buchungslogik nicht ab

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • Finance/Controlling früh einbinden (Definitionen, Kontenlogik, Perioden)
    • Berichte als Use Cases behandeln (nicht als ‘Extras’)
    • UAT mit Monatsabschluss-Szenario (wenn relevant)
    #10

    Go-Live ist geplant – Betrieb (Run) nicht

    Warum kritisch: Ohne Operating Model wird Hypercare ein Dauerzustand. ERP braucht Ownership, Incident-Prozess, Releases, Datenregeln.

    Praxisbeispiel

    Nach Go-Live gibt es täglich Tickets, aber niemand priorisiert. Jede Kleinigkeit wird zum Projekt. Frust steigt.

    Warnsignale

    • Kein Hypercare-Plan (War Room, Priorisierung, SLA)
    • Keine Runbooks für Integrationen
    • Berechtigungs-/Change-Prozess fehlt

    Gegenmaßnahmen (Fix)

    • Operating Model definieren (Rollen, Prozesse, Release-Zyklus)
    • Hypercare als Phase planen (2–8 Wochen) mit klaren KPIs
    • Monitoring & Ownership für Integrationen und Datenregeln

    Mini-Checkliste (zum Speichern/Teilen)

    • MVP definiert + Roadmap v2/v3
    • Use-Case Demo-Skripte + echte Beispieldaten
    • Bewertungsmatrix mit Gewichtung + dokumentierte Trade-offs
    • Datenowner je Objekt + Migration iterativ (v1/v2/v3)
    • Integrationen betriebsfähig: Monitoring, Alerts, Reprocessing, Runbooks
    • TCO über 3–5 Jahre (nicht nur Lizenz)
    • Change: Key User Netzwerk, Trainings, Kommunikation
    • Operating Model für Run (Hypercare, Releases, Ownership)

    Erstberatung: ERP Auswahl ‘No-Surprise’-Check

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