Definition: Was CRM und ERP jeweils ‘sind’
CRM (Customer Relationship Management) – Frontoffice
- Zweck: Kundengewinnung, Betreuung, Vertriebspipeline, Aktivitäten, Servicefälle, Kommunikation.
- Fokus: Menschen/Accounts/Beziehungen, Interaktionen, Next Best Action, Transparenz für Teams.
- Erfolgskriterium: bessere Conversion, bessere Steuerung (Forecast), bessere Servicequalität.
ERP (Enterprise Resource Planning) – Backoffice
- Zweck: Auftragsabwicklung, Rechnungswesen, Einkauf, Lager/Warenwirtschaft, Produktion, Logistik.
- Fokus: Prozesse und Transaktionen (Order-to-Cash, Procure-to-Pay) + Stammdaten/Belege.
- Erfolgskriterium: saubere Abwicklung, Kosten-/Bestandskontrolle, Compliance/Audit, Datenkonsistenz.
Merksatz: CRM optimiert, wie ihr Kunden gewinnt und betreut. ERP optimiert, wie ihr liefert, fakturiert und steuert. Wenn ihr beides wollt, braucht ihr eine klare Prozess- und Datenübergabe.
Entscheidungsbaum: Braucht ihr CRM, ERP – oder beides?
Nutzt diesen Entscheidungsbaum als erstes Screening. In Projekten wird daraus meist ein Use-Case-Backlog (Lead → Auftrag → Lieferung → Rechnung).
Frage 1 von 3
Geht es primär um Kundenbeziehung, Pipeline, Aktivitäten und Kommunikation?
Vergleich: CRM vs ERP (typische Zuständigkeit)
CRM vs ERP Vergleich
| Thema | CRM (typisch) | ERP (typisch) |
|---|---|---|
| Primärer Zweck | Beziehungen & Pipeline | Transaktionen & Abwicklung |
| Kernobjekte | Lead, Kontakt, Account, Deal, Aktivität, Ticket | Artikel, Bestellung, Lieferschein, Rechnung, Bestand, Buchung |
| Owner | Sales/Service/Marketing | Finance, Operations, Einkauf, Logistik |
| Datenqualität | Kontakt-/Aktivitätsdisziplin | Buchungs-/Belegdaten und Stammdatenpflicht |
| Zeitlogik | Vor dem Auftrag (Pre-Sales) + Betreuung | Ab Auftrag bis Zahlung/Erfüllung |
| Systemgrenzen | Kommunikation & Prozesssteuerung | Rechtssichere Abwicklung |
Praxis: In KMU ist ‘ein Tool für alles’ verführerisch. Sobald Teams wachsen, braucht ihr klare Grenzen und Integration – sonst entstehen Schattenprozesse (Excel, Notion, private Listen).
Grenzfälle: Wo CRM und ERP sich überschneiden
Kundenstamm: CRM oder ERP?
- Praxis: häufig ist ERP der ‘rechtliche’ Kundenstamm (Rechnung/Vertrag), CRM ist der ‘Beziehungs’-Stamm (Kontakte/Kommunikation).
- Wichtig: Master-Definition pro Feld (Name, Adresse, USt-ID, Zahlungsbedingungen).
- Ohne Master-Regeln entstehen Dubletten, falsche Rechnungsdaten und Reporting-Chaos.
Angebot/Quote: wo gehört das hin?
- CRM: Angebotsprozess als Teil der Pipeline (Versionen, Freigaben, Next Steps).
- ERP: Angebots-/Auftragsdokumente, wenn es eng mit Preislogik, Artikelstamm und Konditionen verknüpft ist.
- Empfehlung: CRM führt Prozess, ERP liefert ‘Wahrheit’ für Preise/Artikel – je nach Komplexität.
Servicefälle: CRM Ticketing vs ERP Serviceabwicklung
- CRM: Kundenkommunikation, SLA, Wissensdatenbank, Omnichannel, Case History.
- ERP: Ersatzteile, Technikerplanung, Garantie, Abrechnung, Materialverbrauch.
- Empfehlung: CRM als Frontdoor, ERP für operative Abwicklung und Abrechnung.
Regel: Definiere pro Datenfeld einen Master (Quelle der Wahrheit). Ohne diese Regel ist jede Integration nur ‘Datenkopie’ – und erzeugt Konflikte.
Integration: So verbindet ihr CRM und ERP ohne Datenchaos
Integration ist kein Nice-to-have – sie ist der Prozess
- CRM ↔ ERP: sauberer Lead-to-Order / Quote-to-Cash Übergang (Status, IDs, Ansprechpartner).
- Master Data: Kunde/Account, Artikel/Produkte, Preise/Konditionen – klare Eigentümerschaft.
- Transaktionsstatus zurück ins CRM: Auftrag angelegt, geliefert, fakturiert, offen/bezahlt (damit Sales/CSM im Bild sind).
Warum iPaaS hier oft der sinnvollste ‘Klebstoff’ ist
CRM↔ERP Integrationen scheitern selten am ersten Sync, sondern am Betrieb: Retries, Dubletten, API-Änderungen, Fehlerpfade. iPaaS macht Integrationen beobachtbar und reprocessbar – und reduziert ‘Punkt-zu-Punkt-Scripte.
Einstieg: iPaaS Beratung / Automatisierung →
Cross-Link: ERP Auswahl & Einführung (Hub)
Zum ERP Hub
Wenn eure Kernfrage eher ‘Welche ERP-Klasse passt zu uns?’ ist: Hier sind Hub-Seiten für Auswahl, Vergleich und Einführung – aus Mittelstands-Perspektive.
Tipp: Definiert zuerst End-to-End Use Cases (Lead → Auftrag → Lieferung → Rechnung) und entscheidet dann Systemgrenzen/Integrationen.
Schnellstart: CRM oder ERP zuerst?
Wenn ihr zuerst CRM einführt
- Definiert früh den Übergabepunkt: Wann wird ein Deal zum Auftrag im ERP?
- Sorgt für Datenpflichten (Pflichtfelder, Dublettenregeln) – sonst sinkt Adoption.
- Plant Integrationen minimal (Kundenstamm + Auftragsstatus) statt ‘alles auf einmal’.
Wenn ihr zuerst ERP einführt
- Achtet darauf, dass Vertrieb/Service nicht ‘außen vor’ sind – sonst entstehen Schattenlisten.
- Modelliert Prozesse Ende-zu-Ende (Order-to-Cash), aber vergesst Pre-Sales nicht.
- Plant CRM als Frontoffice-Komponente früh mit (sonst später Reibung und Datenbruch).
Wenn ihr beides neu aufsetzt
- Startet mit Systemlandkarte + Verantwortlichkeiten (wer ist Master wofür?).
- Definiert 5–10 End-to-End Use Cases (Lead → Auftrag → Lieferung → Rechnung).
- Nutze iPaaS für Integrationen, damit Prozesse nicht an Punkt-zu-Punkt-Scripten hängen.
Erstberatung: CRM vs ERP sauber abgrenzen (vendor-neutral)
Ich unterstütze systemunabhängig bei: Systemgrenzen, Master-Daten-Regeln, End-to-End Use Cases, Integrationsdesign, Auswahlkriterien und einem realistischen Einführungsplan. Ziel: klare Zuständigkeiten statt Datenkopien und Schattenprozesse.