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    Digitalisierung im Handwerk

    Was ein 4-Personen-Betrieb wirklich braucht – und warum SAP hier Quatsch ist

    Von Tim Sternatz · SystemSelect

    TS

    Tim Sternatz · SystemSelect · Herstellerunabhängige Softwareauswahl

    · Aktualisiert · 8 Min Lesezeit

    "Wir brauchen eine Digitalisierungsstrategie" – für einen 4-Personen-Malerbetrieb klingt das nach unnötigem Buzzword-Bingo. Zu Recht. Was Sie brauchen, ist pragmatisch und erschwinglich: weniger Papier, weniger Chaos, mehr Zeit fürs Handwerk.

    Dieser Artikel richtet sich an Handwerksbetriebe bis 50 Mitarbeiter, die konkrete erste Schritte suchen – ohne Berater-Sprech.

    Realitäts-Check: Was brauchen Sie wirklich?

    Was Sie nicht brauchen

    • SAP oder andere Enterprise-ERPs
    • Teure CRM-Systeme für Kundenmanagement
    • Komplexe Projektmanagement-Tools
    • Eigene IT-Infrastruktur (Server etc.)
    • Einen Digitalisierungsberater für 50.000 €

    Was Sie wirklich brauchen

    • Handwerkersoftware für Angebote & Rechnungen
    • Digitale Zeiterfassung (gesetzlich Pflicht)
    • App für Baustellendokumentation
    • Einfache Plantafel für die Disposition
    • DATEV-kompatible Buchhaltungsanbindung

    In 5 Schritten zur digitalen Grundausstattung

    1

    Rechnungsstellung digitalisieren

    1–2 Wochen

    Aufträge, Angebote, Rechnungen – weg von Word und Excel, hin zu einer Handwerkersoftware. ROI: Spart 1–2 Stunden Büroarbeit pro Tag.

    2

    Zeiterfassung digitalisieren

    1 Woche

    Gesetzliche Pflicht (BAG 2024), außerdem Basis für korrekte Kundenabrechnung. App auf dem Handy, fertig.

    3

    Baustellendokumentation

    2–4 Wochen

    Fotos, Berichte und Abnahmen direkt auf der Baustelle digital erfassen – kein Papier mehr.

    4

    Digitale Kundenkommunikation

    2–4 Wochen

    E-Mail-Bestätigungen, digitale Auftragsbestätigungen und Online-Terminbuchung für Kunden.

    5

    DATEV-Schnittstelle aktivieren

    1 Woche

    Wenn Sie einen Steuerberater haben: DATEV-Export aus der Handwerkersoftware spart Ihrem Steuerberater (und Ihnen) viel Zeit.

    Software-Empfehlungen für Handwerksbetriebe

    Handwerkersoftware & ERP

    mfr (My Field Records)

    ab 49 €/Mo.Empfehlung

    Sehr beliebt im SHK und Elektro. Mobil, intuitiv, guter Support.

    Lexware Handwerk

    ab 39 €/Mo.

    Etabliert, DATEV-kompatibel. Gut für buchhalterisch orientierte Betriebe.

    Orgamax

    ab 29 €/Mo.

    Einfache Bedienung, gut für kleinere Betriebe. Keine branchenspezifischen Features.

    Streit V.1

    auf AnfrageNische

    Spezialisiert auf GaLaBau und Bauhof. Tiefes Branchenwissen.

    Zeiterfassung

    Clockodo

    ab 5 €/MA/Mo.

    Einfach, mobil, DSGVO-konform. Gut für Stundenabrechnung und BAG-konforme Aufzeichnung.

    Factorial

    ab 5 €/MA/Mo.

    HR + Zeiterfassung in einem. Gut wenn Sie auch HR digitalisieren wollen.

    TimeTac

    ab 4 €/MA/Mo.Baustelle

    Austrian Tool, sehr solide. GPS-Stempelung für Baustellen.

    Digitale Planung & Disposition

    Dispatcher

    ab 89 €/Mo.

    Drag-and-Drop Plantafel, Routenoptimierung. Gut für Servicebetriebe.

    Fieldcode

    auf Anfrage

    Field Service Management. Für größere Serviceteams.

    PlanningForce

    ab 30 €/Mo.

    Einfache Plantafel-App für kleine Teams.

    Förderungen nutzen

    Der Staat bezuschusst Digitalisierungsinvestitionen – nutzen Sie das.

    Digital Jetzt (BMWK)

    Bis zu 50 % Förderung für Software, Hardware und Schulung. Max. 50.000 € für KMU bis 500 MA.

    → bmwk.de/digital-jetzt

    go-digital (BMWK)

    Geförderte Beratungsleistungen für kleine Handwerksbetriebe. 50 % Kostenzuschuss für zertifizierte Berater.

    → bmwk.de/go-digital

    Handwerkskammer

    Ihre HWK berät zu länderspezifischen Förderprogrammen und hat oft eigene Digitalisierungsangebote.

    → hwk.de

    Handwerker-Software im Vergleich (Stand 2026)

    Die meistgenutzten Branchenlösungen für Handwerksbetriebe — Tagespreise pro User und Stärken-Profil. Auswahl nach Gewerk und Mitarbeiterzahl.

    Software€ / User / MonatStärkeGeeignet für
    Lexware Handwerk Plus40 – 80 €Buchhaltung + Lohn integriertSolo bis 10 MA, alle Gewerke
    mfr (My Field Robot)39 – 79 €Mobile-First, Touren + AufmaßSHK, Elektro, Außendienst-stark
    Orgamax Handwerk35 – 65 €Kalkulation + GAEB-SchnittstelleKlassisches Bau-/Trockenbau-Handwerk
    Streit V.160 – 130 €Profi-Kalkulation, MehrplatzMittelständische Betriebe (10-50 MA)
    Hero (Hero-Software)39 – 69 €UX-stark, Einsatzplanung, Foto-DokuService-Handwerker (Heizung, Sanitär)
    Werkmeister von Sanderab 89 €Tiefe Material-/KalkulationslogikBau, Sanierung, Großprojekte
    Plancraft29 – 79 €Junges Tool, KI-Aufmaß, MobileWachsende Betriebe, GenY/Z-Teams

    Preise gerundet, ohne Rabatte. Setup-Aufwand kommt separat. Einige Anbieter haben Mindest-Vertragslaufzeiten von 12-24 Monaten.

    Zeiterfassungspflicht (BAG 2022) — was Handwerksbetriebe wissen müssen

    Das Bundesarbeitsgericht hat 2022 entschieden: jeder Arbeitgeber muss die Arbeitszeit seiner Beschäftigten vollständig erfassen. Für das Handwerk besonders relevant — viele Betriebe arbeiten noch mit Wochenzetteln auf Papier.

    • Was muss erfasst werden: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit, inkl. Pausen.
    • Wer ist betroffen: Alle Arbeitgeber unabhängig von Größe — Solo-Handwerker sind selbst nicht erfasst.
    • Wie umsetzen: Digital empfohlen (Mobile-App, Browser-Stempeluhr) — Papier bleibt zulässig, ist aber prüfanfälliger.
    • Aufbewahrungsfrist: 2 Jahre, bei Lohn-relevanten Daten 6 Jahre.
    • Sanktion bei Verstoß: bis 30.000 € Bußgeld, plus Beweislast bei Streit über Mehrarbeit beim Arbeitgeber.

    Die meisten der oben gelisteten Handwerker-Suiten haben ein Zeiterfassungs-Modul integriert — oft im Standard-Tarif enthalten.

    Häufige Fragen zur Digitalisierung im Handwerk