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    ERP-Einführung: Die 7 Schritte zum Erfolg

    Von der Ist-Analyse bis zum Go-Live – was in jedem ERP-Projekt wirklich zählt, welche Fehler Sie vermeiden sollten und wie Sie realistische Erwartungen setzen.

    Von Tim Sternatz · SystemSelect

    Kurz & knapp

    Eine ERP-Einführung ist kein IT-Projekt – es ist ein Organisationsprojekt mit IT-Anteil. Die 7 Schritte: Ist-Analyse → Anforderungen → Longlist → Demos → TCO & Referenzen → Entscheidung → Einführung. Planen Sie 12–18 Monate und budgetieren Sie Implementierungskosten als 3–5× der Jahreslizenz.

    Die 7 Phasen der ERP-Einführung

    Schritt 12–4 Wochen

    Ist-Analyse & Zieldefinition

    Bevor ein ERP ausgewählt wird, muss klar sein, was das aktuelle System nicht kann – und was das neue leisten soll.

    • Prozesse dokumentieren: Was läuft heute wie? (Order-to-Cash, Purchase-to-Pay, Produktion)
    • Schmerzpunkte inventarisieren: Wo entstehen Brüche, Medienbrüche, manuelle Workarounds?
    • Ziele formulieren: Was soll nach der Einführung besser sein – konkret und messbar
    • Stakeholder identifizieren: Wer ist betroffen, wer muss eingebunden werden?
    • Budget-Rahmen abstecken: Investitions- und Betriebskosten für 5 Jahre grob kalkulieren

    Typischer Fehler: Unternehmen starten mit der Anbieterevaluierung, ohne ihre Anforderungen zu kennen. Das Ergebnis: jeder Anbieter klingt überzeugend.

    Schritt 23–5 Wochen

    Anforderungskatalog erstellen

    Der Anforderungskatalog ist das wichtigste Dokument im Auswahlprozess – er übersetzt Ihre Geschäftsprozesse in evaluierbare Systemanforderungen.

    • Muss-/Kann-Anforderungen unterscheiden (M/S/N-Priorisierung)
    • Funktionale Anforderungen je Modul (Einkauf, Produktion, Vertrieb, Finanz, HR)
    • Nicht-funktionale Anforderungen: Performance, Verfügbarkeit, Datenschutz, Schnittstellen
    • Integrationsanforderungen: Welche Systeme müssen angebunden werden (CRM, PIM, Shop)?
    • Reporting- und Compliance-Anforderungen definieren

    Typischer Fehler: Feature-Listen statt Use Cases – Anbieter können jede Checkbox ankreuzen, aber ob der Prozess wirklich unterstützt wird, zeigt sich erst in der Demo.

    Schritt 32–3 Wochen

    Markt-Screening & Longlist

    Aus dem breiten ERP-Markt werden 6–10 potenzielle Systeme herausgefiltert, die grundsätzlich zum Anforderungsprofil passen.

    • Marktüberblick: Welche ERP-Systeme sind für Ihre Branche und Unternehmensgröße relevant?
    • K.O.-Kriterien definieren: Was schließt Anbieter sofort aus (Sprache, On-Prem vs. Cloud, Branchenfokus)?
    • RFI (Request for Information) an 6–10 Anbieter versenden
    • Antworten auswerten und auf 3–5 Kandidaten verdichten
    • Referenzliste anfragen: Welche vergleichbaren Unternehmen nutzen das System?

    Typischer Fehler: Nur die bekannten Systeme (SAP, Dynamics, Sage) zu betrachten und spezialisierte Lösungen zu übersehen, die besser passen würden.

    Schritt 44–6 Wochen

    Anbieter-Demos & Shortlist

    Strukturierte Demos nach einem einheitlichen Skript – damit Sie Anbieter wirklich vergleichen können, statt Marketing-Shows zu bewerten.

    • Demo-Skript erarbeiten: Ihre 5–8 kritischsten Prozesse als Testszenarien formulieren
    • Bewertungsbogen vorbereiten: Einheitliche Kriterien für alle Teilnehmer
    • Demos in 3–4 Stunden durchführen – mit Ihren eigenen Daten oder realistischen Beispieldaten
    • Bewertungen im Team zusammenführen und diskutieren
    • Auf 2–3 Finalisten verdichten für tiefere Evaluation

    Typischer Fehler: Anbieter führen ihre Demos in ihrer optimalen Reihenfolge durch. Ohne eigenes Skript sehen Sie nicht, was Sie wirklich brauchen.

    Schritt 53–4 Wochen

    TCO-Analyse & Referenzgespräche

    Jetzt wird es konkret: Vergleichbare Angebote einholen, Gesamtkosten über 5 Jahre ermitteln und mit echten Anwendern sprechen.

    • RFP (Request for Proposal) an 2–3 Finalisten mit konkretem Scope versenden
    • Total Cost of Ownership kalkulieren: Lizenz + Implementierung + Betrieb + Schulung
    • Referenzgespräche führen: 2–3 vergleichbare Kunden des Anbieters direkt kontaktieren
    • PoC (Proof of Concept) für kritische Anforderungen, die im Demo unklar blieben
    • Vertragsverhandlung vorbereiten: Welche Punkte sind nicht verhandelbar?

    Typischer Fehler: Nur auf den Lizenzpreis schauen. Implementierungskosten sind oft 3–5× so hoch wie die erste Jahreslizenz.

    Schritt 62–3 Wochen

    Entscheidung & Vertragsabschluss

    Die Entscheidungsvorlage wird erstellt, intern freigegeben und der Vertrag unter den richtigen Bedingungen abgeschlossen.

    • Entscheidungsvorlage für Geschäftsführung / Projektsteuerkreis erstellen
    • Nutzwertanalyse: Systematischer Vergleich nach gewichteten Kriterien
    • Vertragseckpunkte verhandeln: Preise, SLAs, Eskalationsklauseln, Exit-Rechte
    • Implementierungspartner auswählen (oft separat vom Softwarehersteller)
    • Projektcharter und Kickoff-Termin festlegen

    Typischer Fehler: Zeitdruck bei Vertragsabschluss. Quartalsend-Rabatte führen zu schlechten Vertragsbedingungen, die über Jahre teuer werden.

    Schritt 76–18 Monate

    Einführung & Go-Live

    Die eigentliche Einführung – mit klarem Scope, Change Management und einem Hypercare-Plan für die kritische Zeit nach Go-Live.

    • Projektplan mit Meilensteinen, Ressourcen und Verantwortlichkeiten
    • Datenmigration: Analyse, Bereinigung, Mapping, Test-Migration, Cutover
    • Schulungskonzept: Key-User-Schulung vor Go-Live, Endnutzer-Schulung kurz davor
    • Go-Live-Strategie: Big Bang oder Rollout nach Standort/Modul?
    • Hypercare-Phase: Erhöhter Support in den ersten 4–8 Wochen nach Go-Live

    Typischer Fehler: Go-Live ist nicht Projektabschluss. Ohne Hypercare-Ressourcen und klare Eskalationswege kollabieren Einführungen in der kritischen Anfangsphase.

    Realistischer Zeitplan

    3–5 Monate
    Auswahl
    Schritte 1–5
    1–2 Monate
    Entscheidung & Vorbereitung
    Schritt 6
    8–14 Monate
    Einführung & Go-Live
    Schritt 7

    Gesamtprojekt: 12–21 Monate vom ersten Workshop bis zum stabilen Betrieb

    Häufige Fragen zur ERP-Einführung