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    PIM-Einführung: Die 7 Schritte zum Erfolg

    Von der Produktdaten-Inventur bis zum produktiven Betrieb – was in jedem PIM-Projekt wirklich zählt, welche Fehler Sie vermeiden sollten und wie Sie realistisch planen.

    Von Tim Sternatz · SystemSelect

    Kurz & knapp

    Eine PIM-Einführung scheitert meistens an schlechten Altdaten, unterschätzter Datenmodell-Komplexität oder fehlender Governance. Die 7 Schritte: Bestandsaufnahme → Datenmodell → Systemauswahl → Demos → TCO → Migration → Go-Live. Planen Sie 6–12 Monate und investieren Sie ausreichend Zeit in Datenbereinigung vor der Migration.

    Die 7 Phasen der PIM-Einführung

    1
    Schritt 12–3 Wochen

    Bestandsaufnahme & Zieldefinition

    Bevor ein PIM ausgewählt wird, muss klar sein, welche Produktdaten aktuell wo liegen – und warum sie so oft falsch oder inkonsistent sind.

    • Produktdaten-Inventur: Wie viele Artikel, Varianten, Bilder und Dokumente gibt es heute?
    • Datenquellen kartografieren: ERP, Excel-Listen, Bilderordner, Lieferanten-Portale
    • Schmerzen benennen: Wo entstehen Datenfehler? Was kostet die manuelle Pflege pro Woche?
    • Kanäle definieren: Welche Ausgabekanäle sollen das PIM beliefern (Shop, Print, Marktplätze)?
    • Stakeholder einbinden: Produktmanagement, E-Commerce, Marketing, IT, Einkauf

    Typischer Fehler: Viele Unternehmen unterschätzen den Umfang ihrer Produktdaten. Erst die Inventur zeigt, wie viele Duplikate, unvollständige Datensätze und Inkonsistenzen wirklich vorhanden sind.

    2
    Schritt 23–4 Wochen

    Datenmodell & Anforderungen

    Das Datenmodell ist das Herzstück des PIM. Wer es zu früh einem System überlässt, riskiert ein System, das zu den eigenen Prozessen passt – statt umgekehrt.

    • Produktklassen & Attribute definieren: Welche Eigenschaften hat jede Produktgruppe?
    • Versionierung und Varianten klären: Farbe/Größe-Matrix, Bundles, Sets
    • Mehrsprachigkeit: Welche Sprachen und Länder müssen verwaltet werden?
    • Medien-Anforderungen: Bilder, Videos, PDFs, CAD-Dateien – Typen und Mengen
    • Workflow-Anforderungen: Wer pflegt, wer prüft, wer gibt frei? Genehmigungsprozesse skizzieren

    Typischer Fehler: Datenmodell-Entscheidungen, die im Projekt nicht gemacht werden, werden vom System gemacht – und sind hinterher schwer zu ändern. Investieren Sie Zeit in diesen Schritt.

    3
    Schritt 33–5 Wochen

    Marktscreening & Systemauswahl

    Der PIM-Markt ist unübersichtlich: von Open-Source-Lösungen bis Enterprise-Plattformen. Mit klaren K.O.-Kriterien reduzieren Sie schnell auf 3–5 ernsthafte Kandidaten.

    • K.O.-Kriterien festlegen: Cloud vs. On-Premise, Preisniveau, Branchenfokus, Connectors
    • Longlist erstellen: Akeneo, Pimcore, Contentserv, Stibo, Bluestone PIM, inriver, Catsy …
    • RFI versenden: Kurze Checkliste mit 20–30 Anforderungen an 6–8 Anbieter
    • Antworten auswerten und Shortlist auf 3 Finalisten reduzieren
    • Referenzen anfragen: Welche vergleichbaren Unternehmen nutzen das System?

    Typischer Fehler: Akeneo und Pimcore sind bekannt – deshalb werden sie oft vorausgewählt, ohne den Markt zu screenen. Für spezifische Branchen oder Unternehmensgrößen gibt es oft besser passende Lösungen.

    4
    Schritt 43–4 Wochen

    Demos & technische Evaluation

    Strukturierte Demos auf Basis eigener Szenarien sind der wichtigste Schritt – sie entscheiden, ob das System Ihre Prozesse wirklich unterstützt.

    • Demo-Skript vorbereiten: Ihre 5–7 kritischsten Produktdaten-Szenarien als Testfälle
    • Technische Fragen klären: API-Dokumentation, Integrations-Architektur, Performance bei großen Datenmengen
    • Bewertungsbogen einsetzen: Alle Teilnehmer bewerten nach denselben Kriterien
    • Connector-Test: Wie gut integriert sich das PIM mit Ihrem ERP, Shop-System und Marktplätzen?
    • Proof of Concept (optional): Kritische Workflows mit eigenen Daten testen

    Typischer Fehler: Anbieter zeigen das PIM in seiner besten Konfiguration. Nur wenn Sie eigene Szenarien mitbringen, sehen Sie, ob es für Ihre Produktstruktur wirklich funktioniert.

    5
    Schritt 52–3 Wochen

    TCO-Analyse & Vertragsabschluss

    Lizenzkosten sind selten der größte Kostenblock. Erst die Vollkostenbetrachtung über 5 Jahre zeigt, welches System wirklich wirtschaftlicher ist.

    • Angebote vergleichen: Lizenz + Implementierung + Schulung + Betrieb über 5 Jahre
    • Implementierungspartner evaluieren (oft separat vom Softwarehersteller)
    • Vertragseckpunkte: Dateneigentum, Exportformate, Kündigungsfristen, SLAs
    • Referenzgespräche: 2–3 vergleichbare Kunden direkt kontaktieren
    • Entscheidungsvorlage für Geschäftsführung / Projektsteuerkreis erstellen

    Typischer Fehler: Open-Source-Lösungen wie Pimcore wirken günstiger – aber Implementierungs- und Anpassungskosten können die Lizenzersparnis schnell überwiegen. TCO rechnen.

    6
    Schritt 64–8 Wochen

    Datenmigration & Konfiguration

    Die Migration der Altdaten ist meist der kritischste und am meisten unterschätzte Teil der PIM-Einführung.

    • Daten-Mapping: Alte Felder auf neues Datenmodell abbilden
    • Datenbereinigung: Duplikate, unvollständige Datensätze, Encoding-Probleme vor der Migration lösen
    • Test-Migration: Erst 10 %, dann 100 % – mit Validierungsreport
    • Connectors konfigurieren und testen: ERP-Anbindung, Shop-System, Marktplätze
    • Key-User schulen und Workflows aktivieren

    Typischer Fehler: Altdaten in schlechter Qualität 1:1 zu migrieren ist der häufigste Fehler. Das PIM importiert den Datenmüll – und dann kämpft das Team damit jahrelang.

    7
    Schritt 74–8 Wochen

    Go-Live & kontinuierliche Verbesserung

    Ein PIM-Projekt endet nicht am Go-Live-Tag. Die Qualität der Produktdaten verbessert sich über Monate – wenn die Prozesse und Governance stimmen.

    • Pilotgruppe definieren: Erst 1–2 Produktkategorien vollständig im PIM, dann ausrollen
    • Hypercare-Phase: Erhöhter Support in den ersten 4–8 Wochen
    • Data-Governance einrichten: Wer ist verantwortlich für welche Produktkategorie?
    • KPIs definieren: Datenvollständigkeit, Time-to-market für neue Produkte, Fehlerquote
    • Rollout auf alle Produktkategorien und Kanäle in Wellen planen

    Typischer Fehler: PIM ohne Governance ist eine teure Dateiverwaltung. Erst wenn klar ist, wer was pflegt und wann freigegeben wird, entfaltet ein PIM seinen Wert.

    Realistischer Zeitplan

    2–4 Monate
    Auswahl & Planung
    Schritte 1–3
    1–2 Monate
    Evaluation & Entscheidung
    Schritte 4–5
    3–6 Monate
    Migration & Go-Live
    Schritte 6–7

    Gesamtprojekt: 6–12 Monate vom ersten Workshop bis zum stabilen produktiven Betrieb

    Häufige Fragen zur PIM-Einführung