Tim Sternatz · SystemSelect · Herstellerunabhängige Softwareauswahl
· Aktualisiert · 8 Min Lesezeit
Die Telekommunikationsbranche hat eine der komplexesten IT-Systemlandschaften überhaupt. Komplexe Bundle-Produkte, Echtzeit-Aktivierungen, Millionen von Abrechnungszeilen und regulatorische Anforderungen machen die Systemauswahl zur echten Herausforderung.
Dieser Artikel gibt einen Überblick über die typischen Systemschichten – vom Produktkatalog bis zur Netzwerk-Provisionierung.
Die typischen IT-Schichten im Telco
Layer 1
Produktkatalog (PIM + CPQ)
Tarife, Bundles, Endgeräte und Add-ons strukturiert verwalten und konfigurierbar machen
Herausforderung: Bundle-Komplexität: Gerät × Tarif × Add-ons × Laufzeit
Layer 2
CRM & Vertrieb
Kundenbeziehungen, Vertragslaufzeiten, Churn-Management, Up-Selling
Herausforderung: 360°-Sicht auf den Kunden über alle Kontaktkanäle (Shop, Hotline, App)
Layer 3
BSS – Billing & Order Management
Rechnungsstellung, Vertragsmanagement, Tarifwechsel, Gutschriften
Herausforderung: Komplexe Abrechnungslogiken: Verbindungs-, Daten- und Roaming-Abrechnung
Layer 4
OSS – Netzwerk & Service
SIM-Provisionierung, Netzwerkmanagement, Service Activation, Störungsmanagement
Herausforderung: Echtzeit-Schnittstellen zum Kernnetz (HLR/HSS, IN-Plattform)
Layer 5
E-Commerce & Self-Service
Online-Bestellung, Tarifkonfigurator, Selbstverwaltungsportal für Endkunden
Herausforderung: Echtzeit-Produktdaten aus PIM + Preise aus CPQ + Bestandsprüfung
Layer 6
Integration (iPaaS / ESB)
Alle Systeme verbinden: PIM → Shop → BSS → OSS
Herausforderung: Echtzeit vs. Batch-Verarbeitung; hohe Transaktionsvolumen bei Aktivierungen
Warum PIM im Telco eine besondere Herausforderung ist
Ein normales Produkt hat 20 Attribute. Ein Mobilfunk-Bundle hat mehrere hundert:
Bundle-Komplexität
- 1 Gerät × 50 Tarife × 10 Add-ons × 3 Laufzeiten = 1.500 Kombinationen
- Alle Kombinationen müssen im Produktkatalog modelliert und gepflegt sein
- Preisänderungen betreffen oft hunderte von Bundle-Varianten gleichzeitig
Kanalspezifische Anforderungen
- E-Commerce: SEO-Texte, Produktbilder, technische Specs
- Call-Center: Verkaufsargumente, Vergleichsdaten zum Wettbewerb
- Reseller: B2B-Preislisten, White-Label-Produktdaten
- Print: Prospekte, Tarif-Flyer (saisonale Aktionen)
Best Practices für den Telco-Produktkatalog
Produktmodell von Preismodell trennen
Tarif-Attribute (Daten-GB, Minuten) im PIM. Preise und Aktionen in CPQ oder einer Pricing-Engine. Das verhindert, dass Preisänderungen umfangreiche PIM-Änderungen erfordern.
Gemeinsames Datenmodell für alle Kanäle
Statt separate Produktlisten pro Kanal: Ein Master-Datenmodell im PIM, aus dem alle Kanäle (Shop, API, Print-Export) gespeist werden. Änderungen einmal, Wirkung überall.
Versionierung von Tarifen
Alte Tarife (Bestandskunden-Tarife) müssen historisch verfügbar bleiben. Planen Sie Versionierung und Tarifalterung explizit im Datenmodell ein.
API-first Produktkatalog
Der Produktkatalog sollte über eine stabile API abrufbar sein – für Shop, App, Callcenter-Systeme und Reseller-Portale gleichermaßen. Keine One-Off-Exports.