Tim Sternatz · SystemSelect · Herstellerunabhängige Softwareauswahl
· Aktualisiert · 8 Min Lesezeit
PIM-Projekte scheitern selten an der Technologie. Akeneo, Pimcore und Co. sind solide Systeme. Sie scheitern an Prozessen, Ressourcen und Menschen. Diese fünf Fehler sehen wir in fast jedem Projekt – meistens erst dann, wenn es zu spät ist.
Lernen Sie aus typischen Fehlern, bevor Ihr Projekt startet.
Die 5 Fehler im Detail
Datenqualität vor dem Import nicht bereinigt
Garbage in, Garbage out
✗ Das Problem
Rohe ERP-Daten werden ungefiltert ins PIM importiert. Ergebnis: Doppelte Artikel, fehlende Attribute, inkonsistente Bezeichnungen – alles landet im Webshop.
✓ So machen Sie es besser
Führen Sie vor dem PIM-Projekt eine Datenqualitäts-Analyse durch. Definieren Sie Mindeststandards für jeden Datentyp. Bereinigen Sie die Quelldaten bevor sie migriert werden – nicht danach.
Konkrete Maßnahmen
- →Data Quality Assessment im Quellsystem (ERP)
- →Mindeststandards pro Attribut definieren (was muss befüllt sein?)
- →Bereinigungsworkshop mit Fachbereich
- →Migrationsskripte mit Validierungsregeln
PIM als IT-Projekt statt Business-Projekt
Die IT führt ein, der Fachbereich nutzt
✗ Das Problem
Die IT-Abteilung wählt und implementiert das PIM. Der eigentliche Nutzer – Marketing, E-Commerce, Produktmanagement – wird erst am Ende eingebunden. Das Ergebnis passt nicht zu den realen Prozessen.
✓ So machen Sie es besser
Benennen Sie einen Product Owner aus dem Fachbereich (nicht aus der IT) als Hauptverantwortlichen. IT ist Enabler, nicht Treiber. Die Anforderungen kommen aus dem Business.
Konkrete Maßnahmen
- →Business-PO aus Marketing oder E-Commerce benennen
- →Anforderungen aus realen Prozessen ableiten (User Stories)
- →Fachbereich in alle Demo-Tage und Bewertungen einbinden
- →IT als technischen Partner – nicht als Entscheider
Ressourcenaufwand für Content-Pflege unterschätzt
Das System steht – wer pflegt die Daten?
✗ Das Problem
Das PIM ist live. Jetzt stellt sich heraus: Jemand muss die Produkttexte für 10.000 SKUs in drei Sprachen schreiben, Bilder hochladen und Kategorien pflegen. Diese Ressource wurde nie geplant.
✓ So machen Sie es besser
Planen Sie die laufenden Betriebsressourcen vor der Einführung. Faustformel: Pro 10.000 SKUs und zwei Sprachen rechnen Sie mit 0,5 FTE für laufende Datenpflege.
Konkrete Maßnahmen
- →Betriebskonzept erstellen: Wer pflegt was, wie oft?
- →Content-Pflege als Aufgabe in Stellenbeschreibungen verankern
- →PIM-Workflows so gestalten, dass Pflege effizient möglich ist
- →KI-Content-Tools als Beschleuniger evaluieren
Fehlende Akzeptanz im Team
Das PIM konkurriert mit Excel
✗ Das Problem
Nach der Einführung arbeiten Teams weiterhin mit Excel-Tabellen und 'pflegen PIM auch noch kurz nach'. Das PIM bleibt die sekundäre Datenquelle und verliert schnell an Aktualität.
✓ So machen Sie es besser
Change Management ist kein Soft-Thema – es ist Projekterfolgsvoraussetzung. Frühzeitige Einbindung, klare Kommunikation des Nutzens und konsequentes Abschalten der alten Prozesse sind entscheidend.
Konkrete Maßnahmen
- →Change Champions im Team benennen
- →Frühzeitig den Nutzen für den Einzelnen kommunizieren
- →Schulungen vor Go-Live, nicht danach
- →Alte Excel-Prozesse konsequent abschalten nach Go-Live
Zu großer Scope – 'Big Bang' statt MVP
Alles auf einmal führt zu nichts
✗ Das Problem
Das PIM soll von Anfang an alle 50.000 Produkte, 8 Sprachen, 12 Kanäle und alle zukünftigen Anforderungen abdecken. Das Projekt zieht sich auf 18 Monate, das Team verliert Motivation und Überblick.
✓ So machen Sie es besser
MVP-Ansatz: Starten Sie mit den 500 umsatzstärksten Produkten, einem Kanal und zwei Sprachen. Go-Live nach 3 Monaten. Lernen. Erweitern. Das Pareto-Prinzip gilt auch hier.
Konkrete Maßnahmen
- →MVP-Scope auf 20 % der Produkte und wichtigste Kanäle begrenzen
- →Go-Live nach 3 Monaten als harte Deadline setzen
- →Backlog für spätere Phasen anlegen, nicht in Phase 1 stopfen
- →Erfolgskriterien für MVP definieren und messen